Spielzeit

„Der Workshop von Sarah und Suzanne schuf einen Raum zum Fühlen und Nachdenken.“

Für Barbara und Margot ist das Schaffen von Kunst eine Lebenseinstellung. Aber für diejenigen von uns, die keine Künstler sind, geht die kreative Entfaltung in unserem Alltag leicht verloren.

 

Meine Kollegin und langjährige Freundin Suzanne Reich und ich wollten den Impuls des Films nutzen, um etwas Unkonventionelles zu tun: einen kreativen Workshop nach dem Film anzubieten. Aber wie bringt man „erwachsene” Erwachsene dazu, Klebestifte und Papier zu nehmen, ohne sich dabei albern zu fühlen? Oder schlimmer noch, eingeschüchtert?

„Ich habe seit 30 Jahren keinen Klebestift mehr in die Hand genommen.“

Nach der oft sehr emotionalen Filmvorführung und der anschließenden Fragerunde versammeln sich die Teilnehmer an Tischen, die mit Zeitschriften, alten Kalendern, Fotos und Bastelpapier bedeckt sind. Klebestifte und Scheren liegen bereit.

 

Jeder Teilnehmer reagiert anders auf die bunte Auswahl. Einige nehmen sich Zeit, um alle angebotenen Materialien zu begutachten, andere beginnen schon begeistert mit dem Ausschneiden von Mustern, noch bevor alle Platz genommen haben. Wieder andere haben ihre eigenen persönlichen Materialien mitgebracht: ein Hochzeitsfoto von vor einem halben Jahrhundert, eine aktuelle Karte von einem lieben Freund.

Als wir uns an die Tische setzen, wirkt das Erlebnis des Films weiter in uns nach, denn wir erinnern uns immer wieder an Szenen, die uns bewegt haben und wichtige Themen in unserem eigenen Leben angesprochen haben.

 

Einige beginnen sofort, über diese Momente zu sprechen, andere sind still und brauchen eine Weile, bevor sie sich einbringen. Die Menschen sind bemerkenswert offen: Eine Frau erzählt von ihrer Angst, ihre Mutter durch Demenz zu verlieren, eine andere fragt sich, wie sie mit ihren Enkelkindern über das Älterwerden als Loslassen vom Leben sprechen soll. Der Film schafft eine Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit, die es den Teilnehmern ermöglicht, persönliche und manchmal schwierige Themen anzusprechen.

Das Gespräch fließt in die Collagenarbeit ein, die wiederum neue Impulse für unsere Überlegungen liefert: Ein jüngerer Mann hält seine Eindrücke vom langen Leben von Barbara und Margot fest, indem er alle Himmel, die er auf dem Tisch finden kann, ausschneidet und daraus ein Mosaik der Himmel gestaltet, die er selbst noch sehen möchte. Eine Frau baut einen mythischen Garten aus ineinander verschlungenen Blumen, Krabben und Eidechsen, um ihre komplexe Beziehung zu ihrer eigenen Mutter darzustellen.

 

Der Kreativworkshop gibt den Menschen Raum, den Film zu verarbeiten, und regt einen Dialog mit sich selbst an, der weit über das Ende des Workshops hinaus andauern kann.

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